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JULIA KISSINA
"EIWEISS"
Eine Ausstellung im Grassimuseum Leipzig/ Museum für angewandte Kunst.
Die Ausstellung zeigt die Fotoserie "Feinschmeckerund Raubtiere der Künstlerin Julia Kissina.
In ihrer Präsentation beziehen sich diese sechs großformatig auf Werbebanner gezogenen Fotoarbeiten auf Fassadenwerbung, wie sie heute allerorten den urbanen Raum prägt. Im
Kontext des Grassimuseums Leipzig für angewandte Kunst, erinnern sie durch ihre Hängung aber auch an Gobelins, wie sie einst Paläste oder repräsentative Versammlungsorte
schmückten. Diese der Macht- und Luxusdarstellung dienenden Wandteppich zeigen historische und mythologische Themen, in diesem Zusammenhang oft auch phantastische
Tierkreaturen. In Julia Kissinas Arbeiten sind sie vor ansprechend farbigen Hintergründen, wie man sie auch aus der zeitgenössischen Werbung kennt, ebenfalls Tier-Objekte
stillebenartig, präsentiert. Bei genauer Betrachtung entpuppen sich diese jedoch als Skulpturen aus Hackfleisch - bizarre Zwitterwesen aus dem Zeitalter der Gentechnologie,
die die Warenästhetik einer konsumorientierten Welt der Werbung paraphrasieren.
Julia Kissina benutzt für die Auseinandersetzung mit den Codes der traditionellen Kunst und der artifiziellen Bildsprache moderner Werbewelten die Medien Fotografie und Video.
Brüche in den kosmetischen Fassaden ihrer Bilder geben komplexe Geschichten von Liebe, Macht, Grausamkeit und monströser Andersartigkeit preis und zeigen im Zeitalter der
Genmanipulation und Biotechnologie nicht zuletzt auch gesellschaftliche Relevanz.
In "Feinschmecker und Raubtiere" wird essbare fleischliche Materie in der Inszenierung der Künstlerin mit der Ästhetik der Werbefotografie wie Farbigkeit, Beleuchtung etc.
verführerisch arrangiert. Die inszenierten Bildkompositionen beinhalten aber auch das klassische Stilleben, ein memento mori. Fleisch ist vergängliche organische Materie, die
hier im Bild durch die Fotografie als Medium konserviert wird. Mit der Verwendung des eiweisshaltigen Nahrungsmittels spielt sie - wie auch in dem im Rahmen der Ausstellung
gezeigten Video "Eiweiss - auf den Vorgang des Essens an, der in der zivilisierten Gesellschaft von der niederen Bedürfnisbefriedigung zu einem täglichen Ritual mit
kulturellem Wert geworden ist. So sind wir im Akt der Nahrungsaufnahme und verfeinerten Esskultur Feinschmecker, werden gleichzeitig aber zu Raubtieren, wenn wir unsere
natürlichen Bedürfnisse befriedigen.
Text: Patrizia Drück
Julia Kissina
EIWEISS
1998
3:08 min. VHS
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